Regionalnachrichten aus dem Rheingauer Bürgerfreund


 

Windschnittig auf Arbeitsweg

Dietmar Mikuszies radelt fast täglich von Wollmerschied zum Eichberg


Ganz schön windschnittig: Mit der aerodynamischen Verkleidung seines Velomobils schafft Dietmar Mikuszies ein Tempo von bis zu 55 Stundenkilometern.
Foto: RMB/Margielsky

Vom 15.07.2006

RHEINGAU Zur Arbeit auf dem Eichberg fährt der Wollmerschieder Dietmar Mikuszies mit dem Rad. Die 45 Kilometer bewältigt der sportliche 55-Jährige mit einem windschnittig verkleideten Gefährt.  
Von

Thorsten Stötzer

Dietmar Mikuszies wohnt in Wollmerschied und arbeitet als Ergotherapeut auf dem Eichberg bei Erbach. Auf dem täglichen Weg zur Arbeit muss er jedoch nicht am Rüdesheimer Bahnübergang warten und Parkplatzsorgen kennt er ebenfalls nicht. Mikuszies bewältigt die 45 Kilometer lange Strecke nämlich mit einem Velomobil, einem Liegefahrrad mit geschlossener Verkleidung.

Mit diesem Gefährt kann er vor der Rüdesheimer Schranke auf den Leinpfad ausweichen und da das Sommermodell nur 78 Zentimeter breit ist, lässt es sich bei Bedarf durch jede Haustür rangieren. Eine Stunde und 15 Minuten lang ist Mikuszies morgens unterwegs, der Weg nach Hause dauert 25 Minuten länger - der steile Anstieg von Lorch nach Ransel mit 360 Höhenmetern auf neun Kilometern fordert seinen Tribut.

Auch in der Freizeit wollen der 55-Jährige und seine Frau Anja nicht auf die Strampelei im Velomobil verzichten. 15 000 bis 20 000 Kilometer pro Jahr legt Mikuszies nach eigener Aussage so zurück, mit seinem Auto fährt er nur rund 5 000 Kilometer. Aus der Liebe zu den dreirädrigen Vehikeln ist sogar ein kleines Geschäft geworden, denn das Paar betreibt in Wollmerschied einen Fahrradladen mit Werkstatt.

Zwischen 2 500 Euro bis 9 000 Euro muss ein Käufer für ein Velomobil zahlen, sagt der Inhaber. Das Geld sei gut angelegt, denn es gebe kaum Verschleiß und Treibstoffkosten entfallen ohnehin. Einmal habe die Polizei fast verzweifelt nach einem Motor unter dem Chassis gesucht. Doch dort steckt erkennbar nur modifizierte Fahrradtechnik.

35 bis 40 Stundenkilometer erreicht Dietmar Mikuszies so auf der B42. "Wenn mich ein Rennradfahrer ärgern will, können es auch 55 Stundenkilometer sein", bekennt er. Er sei aber "kein sportlicher Fahrer". Vielmehr schätze er die Bewegung, den Beitrag für die Gesundheit, den Blick in die Weite sowie den seelischen Ausgleich - denn: "die Arbeit in der Psychiatrie ist wahnsinnig anstrengend".

Mikuszies stammt aus Oldenburg, ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und lebt seit 1985 im Rheingau. Anfangs machten ihm die Anstiege in den Seitentälern zu schaffen, doch schon bald fuhr er mit dem Mountainbike zum Eichberg. Rücken- und Gelenkprobleme zwangen ihn buchstäblich zum Umsatteln: Einer Zeit auf dem Liegerad folgte der Umstieg ins Velomobil mit aerodynamischer Kabine.

Selbst im Winter ist Mikuszies so auf den Straßen präsent. Glatteis stört ihn wenig, Schnee wird jedoch ab einer Höhe von fünf Zentimetern zum Problem, weil er dann zuviel Kraft fürs Treten aufwenden muss. Mit der Rücksichtnahme der allermeisten Autofahrer ist der alternative Verkehrsteilnehmer sehr zufrieden.

Den Rheingau hält er für "die schönste Gegend zum Radfahren". Nur die Verkehrswege bereiten ihm Kummer: Die Radwege seien für Velomobile zu schmal und die Straßen entweder nur für Kraftfahrzeuge freigegeben oder zu stark belastet.

Wiesbadener Tagblatt